Co-Regulation

Bindungsforschung & Entwicklungspsychologie

 

Geht´s den Eltern gut, geht´s dem Baby gut!

 

Ein Satz, der viel Wahres in sich trägt – und gleichzeitig ganz schön viel Druck auslösen kann. Denn natürlich geht es uns Eltern nicht immer gut. Gerade die erste Zeit mit einem Baby kann herausfordernd, überwältigend und manchmal auch einfach erschöpfend sein. Was passiert also eigentlich, wenn ein Baby weint, sich nicht beruhigen lässt und wir selbst langsam an unsere Grenzen kommen?

 

Ein kleiner Blick ins Gehirn

 

Unser Nervensystem ist darauf ausgerichtet, Gefahren schnell wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Dabei spielen unter anderem Strukturen wie die Amygdala und weitere Bereiche des limbischen Systems eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen, Stress und Erinnerungen.

 

Das Gehirn eines Kindes entwickelt sich über viele Jahre hinweg. Besonders die Bereiche, die für Impulskontrolle, Regulation, Planung und ein bewusstes Einordnen von Situationen wichtig sind, reifen erst im Laufe der Kindheit und Jugend weiter aus.

 

Ein wichtiger Punkt dabei: Unser Gehirn lernt aus Erfahrungen. Gute wie auch belastende Erfahrungen werden verarbeitet und als Lernerfahrungen gespeichert. Wiederholte Erfahrungen können dabei besonders prägend sein. Sie beeinflussen, was wir als sicher oder unsicher erleben, was wir erwarten und wie wir später auf bestimmte Situationen reagieren.

 

Co-Regulation – ein Nervensystem hilft einem anderen

 

Hier kommt die Co-Regulation ins Spiel. Ein Baby kommt aus einer geschützten, konstanten Umgebung in eine völlig neue Welt. Plötzlich gibt es Licht, Geräusche, Hunger, Kälte, Bewegung und unzählige neue Reize. Gleichzeitig ist das eigene Nervensystem noch nicht in der Lage, all diese Eindrücke selbstständig zu regulieren. Es braucht dafür eine vertraute Bezugsperson.

 

Wenn du dein Baby hältst, ruhig mit ihm sprichst, es ansiehst und wahrnimmst, was es gerade braucht, passiert also mehr als nur „Beruhigen“. Dein Baby macht eine Erfahrung von Sicherheit. Es erlebt immer wieder: Da ist jemand. Ich werde wahrgenommen. Meine Bedürfnisse werden beantwortet. Ich darf mich beruhigen. Ich bin nicht allein. Und auch diese Erfahrungen werden verarbeitet und gespeichert.

 

Je häufiger ein Kind erlebt, dass auf seine Signale feinfühlig reagiert wird, dass es Nähe, Schutz und Verlässlichkeit erfährt, desto mehr bekommt sein Nervensystem die Möglichkeit, diese Erfahrungen von Sicherheit zu verankern.

 

Das bedeutet nicht, dass ein Kind keine schwierigen Erfahrungen machen darf. Das wäre weder möglich noch notwendig. Entscheidend ist vielmehr die Summe und Qualität der Erfahrungen und dass belastende Situationen immer wieder durch Sicherheit, Beziehung und Co-Regulation aufgefangen werden. So entsteht nach und nach ein inneres Fundament, auf dem das Kind später zunehmend selbst regulieren kann.

 

Und dann sind da noch die Eltern …

 

Nur: Auch Eltern haben ein Nervensystem. Gerade frischgebackene Eltern sind häufig müde, überfordert, voller neuer Verantwortung und gleichzeitig mit einer Situation konfrontiert, auf die man sich niemals vollständig vorbereiten kann. Und manchmal berührt das eigene Kind ganz unbewusst auch unsere eigene Geschichte. Vielleicht haben wir selbst als Kind wenig Sicherheit erlebt. Vielleicht haben wir gelernt, Gefühle eher wegzuschieben. Vielleicht möchten wir ganz bewusst vieles anders machen als unsere eigenen Eltern – und wissen gleichzeitig gar nicht genau, wie. Dann kann ein weinendes Baby sehr viel in uns auslösen. Das ist kein Versagen. Es ist absolut menschlich.

 

Was kannst du tun, wenn es gerade zu viel wird?

 

Der erste Schritt ist oft nicht, sofort eine Lösung für das Baby zu finden. Sondern kurz bei dir selbst anzukommen: Wie geht es mir gerade? Was fühle ich? Bin ich erschöpft, hungrig, überreizt oder angespannt? Wovor habe ich vielleicht gerade Angst? Fühle ich mich überfordert? Schon das bewusste Wahrnehmen kann helfen, wieder etwas Abstand zu gewinnen. Ein kurzer Moment des Innehaltens. Ein bewusster Atemzug. Die Füße am Boden spüren. Schultern und Kiefer lockern.

 

Und dann kannst du schauen: Was braucht mein Baby gerade? Ist es hungrig? Müde? Braucht es Nähe? Ist ihm vielleicht alles zu viel? Hat es bereits alles, was es im Moment braucht?

 

Und manchmal gibt es trotzdem keine unmittelbare Lösung. Babys weinen. Ihr Verdauungssystem entwickelt sich noch. Sie erleben neue Reize. Sie sind müde, überfordert oder einfach gerade nicht in der Lage, sich anders auszudrücken. Nicht jede Welle muss sofort verschwinden. Manchmal braucht es einfach jemanden, der mit durch die Welle geht.

 

Auch du darfst dich regulieren lassen.

 

Co-Regulation funktioniert nicht nur in eine Richtung. Auch Eltern brauchen Menschen, die sie unterstützen. Das kann ein Gespräch mit einer vertrauten Person sein. Unterstützung aus dem Familien- oder Freundeskreis. Ein Spaziergang, ein Rückzug mit deinem Baby, eine Shiatsu-Behandlung oder einfach jemand, der dir zuhört und sagt: „Du musst das gerade nicht alleine schaffen.“

 

Denn je besser es dir gelingt, für dich selbst zu sorgen, desto leichter wird es, auch deinem Baby Sicherheit und Orientierung zu geben.

 

Was hat das mit Baby-Shiatsu zu tun?

 

Sehr viel. In meinem Baby-Shiatsu-Kurs bekommst du Raum für dich, deine Wahrnehmung und die Beziehung zu deinem Baby. Du lernst, dein Baby mit deinen Händen achtsam zu begleiten, seine Signale besser wahrzunehmen und über Berührung, Nähe und Körperkontakt Co-Regulation zu unterstützen. 

 

Gleichzeitig lernst du Möglichkeiten kennen, auch dein eigenes Nervensystem wahrzunehmen und zu regulieren. Und genau deshalb ist Selbstregulation ein wichtiger Teil meines Baby-Shiatsu-Kurses. Du lernst einfache Möglichkeiten kennen, über Atmung, Körperwahrnehmung und Körperübungen wieder mehr bei dir anzukommen. Dein eigener Körper ist dabei ein wichtiges Werkzeug.

 

Denn dein Baby braucht keine perfekten Eltern. Es braucht dich. Mit deiner Aufmerksamkeit, deiner Nähe, deiner Berührung und deiner Bereitschaft, immer wieder miteinander in Verbindung zu gehen.

 

 

 

 

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